Portal:Stadtarchäologie

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Aktuelles

Römerthermen in Burtscheid

Im März 2010 wurden in Burtscheid Überreste römischer Badeanlagen freigelegt und dokumentiert. Bei Leitungsbaumaßnahmen der STAWAG, die durch die Firma SK ArcheoConsult archäologisch begleitet werden, kamen neben Fundamenten neuzeitlicher Wohn- und Badehäuser römische Mauern 1,1 m unter dem heutigen Bodenniveau zum Vorschein. Bei einer Mauer, die vor dem Burtscheider Markt Nr. 17 angetroffen wurde, ließen der ziegelrote Wandputz sowie der zugehörige Estrich - beide aus Schamottmörtel (Kalkmörtel, der mit Ziegelsplitt und -mehl gemagert ist) - darauf schließen, dass es sich um den Rest eines Wasserbeckens handelte.


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Römische Mauer mit Wandputz, Bordüre (eine Anschrägung am Übergang des Fußbodens zur Wandfläche ähnlich modernen Fußleisten) und Estrich aus Schamottmörtel (Blickrichtung Süden, Burtscheider Markt Nr. 17)

Eine weitere Mauer vor Hausnummer 13/15 besitzt einen Absatz aus Ziegelmauerwerk (aus sog. Latres, römischen Ziegelplatten von ca. 30 x 30 cm). Dieser Absatz bildete anscheinend den Rand eines weiteren Wasserbeckens.


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Römische Mauer mit Wandputz und Absatz aus Ziegelmauerwerk (Blickrichtung Norden, Burtscheider Markt Nr. 13/15)

Das völlige Fehlen von Sinterablagerungen legt die Vermutung nahe, dass die dokumentierten Mauern zu Kaltbadebecken (Frigidarien) gehörten.


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Keine Spur von Sinterablagerungen am mutmaßlichen Beckenrand (Blickrichtung Süden, Burtscheider Markt Nr. 13/15)

Historischer Paubachkanal in der Weberstraße freigelegt

AZ 17.09.2009 Aachen. Ein exzellent erhaltenes Teilstück des Paubachkanals ist bei Bauarbeiten an der Weberstraße freigelegt worden. Archäologen der Firma SK ArchaeoConsult aus Aachen haben inmitten des heutigen Straßenverlaufs an der Einmündung zum Boxgraben unter anderem das Mauerwerk eines Absatzbeckens entdeckt, das vermutlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammt. Diese Becken dienten dazu, dass sich auf längeren Kanalstrecken Schwebeteilchen absetzen konnten. Es enthielt Verfüllungsmaterial aus dem 19. Jahrhundert, so dass man davon ausgeht, dass der Kanal bis in diese Zeit noch benutzt worden ist. Der jetzt aufgedeckte Kanal entspricht dem Verlauf der Pau seit dem frühen 14. Jahrhundert. Die Pau floss offen und nicht - wie heute - unterirdisch. In den nächsten Tagen wird die Fundstelle wieder zugeschüttet. Vor einigen Monaten ist rund zehn Meter weiter östlich ein aus römischer oder karolingischer Zeit stammender Verlauf des Paubachs gefunden worden. Die Verwaltung prüft, ob man diesen Kanal in Form eines archäologischen Fensters dauerhaft sichtbar machen könnte. Paubach-Kanal Weberstrasse AZ 17.9.09.jpg

Sonderausstellung "Die römischen Thermen von Aachen" in der Burg Frankenberg vom 18. 3 - 26.4.

Anläßlich des Internationalen Frontinus-Symposiums zur Technik- und Kulturgeschichte der antiken Thermen "SPA - SANITAS PER AQVAM" in Aachen zeigt die Aachener Stadtarchäologie im Aachener Stadtmuseum Burg Frankenberg eine Sonderausstellung "Die römischen Thermen von Aachen". Gezeigt werden primär römische Fundstücke aus Aachener Grabungen, die einen guten Einblick in den Alltag der römischen Bäderstadt AQVAE GRANNI geben. Ein computersimuliertes 3D-Modell lädt zum virtuellen Gang durch die Thermen des römischen Aachens ein. Näheres unter den folgenden Links: [[11]] [[12]].

Am 28.3. und 25.4. finden Sonderführungen durch die Thermenausstellung und am 19.4. und 26.4. finden die Sonderaktionen "Römischer Spieletag" [[13]] und "Der Römerkoffer" [[14]] statt.

Gründung eines Arbeitskreises Archäologie Aachen (AAA)

Am 11. Dezember 2008 hat sich im Aachener Rathaus ein Arbeitskreis zur Archäologie Aachens auf Einladung des Vorsitzenden des Vereins Archäologie Laurensberg und des Stadtarchäologen Schaub gebildet. Zur Zielsetzung hat Herr Kottmann in seiner Einladung folgendes geschrieben:

"Der Arbeitskreis Archäologie Laurensberg hat sich mit dem Arbeitskreis Denkmalpflege (Vorsitzender Dr. Lutz-Henning Meyer) und dem Stadtarchäologen Andreas Schaub auf die Erweiterung des bislang bezirklichen Arbeitskreises auf ganz Aachen verständigt. Damit will man den bestehenden Interessen an der gesamtstädtischen Archäologie Rechnung tragen und Interessierte in ganz Aachen und in der Nachbarschaft ansprechen. Aufgerufen sind insbesondere an der Geschichte interessierte Schüler, Studenten, Rentner und Lehrer. Aber auch Historiker, Kunsthistoriker, archäologisch ausgebildete oder tätige Bürger sowie in Nachbardisziplinen Tätige (Archäobotanik, Archäogeologie, Paläopathologie, Medizingeschichte, Metallurgiegeschichte usw.) sollten sich angesprochen fühlen. Interessierte Laien könnten sich als ehrenamtliche Helfer bei Feldbegehungen oder als Grabungshelfer betätigen (z.B. Reinigen, Fotografieren und wenn möglich maßstäbliches Zeichnen von Fundstücken). Die Interessierten bekämen so Einblick in neue Entdeckungen und Erkenntnisse. Die Stadtarchäologie erführe hierdurch eine wichtige Unterstützung. In einem ersten Termin sollen Informationen zum Stand der Stadtarchäologie heute, zu den Möglichkeiten ihrer Unterstützung und zu den Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Engagements in der Bodendenkmalpflege gegeben werden".

Erschienen waren über 40 Interessierte. Herr Schaub gab einen Überblick über die bisherigen Aktivitäten der Aachener Stadtarchäologie. Für die konkrete Mitarbeit bei Grabungen, Ordnungs- und Reinigungsarbeiten konnten sich die Teilnehmer in Listen eintragen. Diese Möglichkeit besteht auch weiterhin für alle, die Interesse an einer Mitarbeit haben. Bitte melden Sie sich per E-Mail bei Herrn Schaub dafür an. (denkmalpflege@mail.aachen.de)

Als PDF finden Sie hier eine Kurzdarstellung des Arbeitskreises zusammen mit einem Merkblatt des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege für ehrenamtliche Mitarbeiter. Datei:AK Archeologie Aachen.pdf

Die Webseite http://aaa.aquaegranni.de informiert über aktuelle Projekte und Termine des Arbeitskreises Archäologie Aachen (AAA).

Berichte zur aktuellen Grabung am Elisengarten:

Der Elisengarten wird wieder zugeschüttet Aachener Nachrichten 09.03.2009, 08:00 Aachen. Die archäologischen Untersuchungen im Elisengarten sind beendet, das Zelt ist weg. Seit Dienstagmorgen wird nun die Ausgrabungsstätte mit Erdreich verfüllt. Eine Fläche von rund 1000 Quadratmetern wird dabei wieder zugeschüttet. Seit August des vergangenen Jahres hatten Archäologen dort Fundstücke aus 5000 Jahren Aachener Geschichte zutage befördert. Zahlreiche offene Fragen aus der Historie der Kaiserstadt konnten damit beantwortet werden. So haben Stadtarchäologe Andreas Schaub und Gary White, Projektleiter der Dürener Firma Goldschmidt Archäologie & Denkmalpflege, Belege dafür gefunden, dass sich die Menschen, die um 3000 vor Christus am Lousberg Feuerstein abgebaut haben, im heutigen Zentrum von Aachen niedergelassen hatten. Die Ausgrabungsstätte war während der gesamten Zeit für die Öffentlichkeit geöffnet. Darüber hinaus veranstaltete Stadtarchäologe Andreas Schaub mehr als 60 Führungen, darunter viele Sonderführungen für Schulklassen. Insgesamt haben über 5200 Besucher daran teilgenommen. Ein 60 Quadratmeter großes Areal soll auch weiterhin als «archäologische Vitrine» (Arbeitstitel) dauerhaft freigehalten werden, damit ein Teil der Fundstücke präsentiert werden kann. Drei Büros wurden beauftragt, eine Lösung zu erarbeiten, die den Anforderungen nach guter Belichtung, ausreichender Belüftung und Frostunempfindlichkeit genügen. Die übrige Fläche wird bis Ende Oktober wieder als Parkanlage umgestaltet. Der Park erhält eine durch Treppen abgestufte Rasenfläche und ein Wasserspiel. Parallel dazu wird auch die Ursulinerstraße umgebaut: Nach Abschluss der Verlegung von Versorgungsleitungen der Stawag wird sie zur Fußgängerzone. Die verschiedenen verkehrsberuhigten Bereiche in der Innenstadt werden damit unterbrechungsfrei begehbar.

Gesamtheit der Mauerfunde

5200 Besucher blickten in Aachens Historie Aachener Zeitung 09.03.2009, 08:00 Aachen. Die archäologischen Ausgrabungen im Elisengarten sind auf ein überwältigendes Interesse in der Bevölkerung gestoßen. Stadtarchäologe Andreas Schaub bot mehr als 60 Führungen - darunter viele Sonderführungen für Schulklassen - an, die von insgesamt 5200 Menschen besucht wurden.

Außerdem war Ausgrabungsstätte als temporäre Station des Projektes «Route Charlemagne» für die Öffentlichkeit während der gesamten Zeit durchgängig geöffnet.

Nach dem Ende der archäologischen Untersuchungen und dem Abbau des großen Grabungszeltes beginnt heute Morgen die Verfüllung der Ausgrabungsstätte mit Erdreich. Eine Fläche von rund 1000 Quadratmetern wird dann wieder zugeschüttet, auf der Archäologen seit August letzten Jahres Fundstücke aus 5000 Jahren Aachener Geschichte zutage befördert haben. Zahlreiche offene Fragen aus der Historie der Kaiserstadt konnten beantwortet werden.

So haben Schaub und Gary White, Projektleiter der Dürener Firma Goldschmidt Archäologie & Denkmalpflege, Belege dafür gefunden, dass sich die Menschen, die um 3000 vor Christus am Lousberg Feuerstein abgebaut haben, im heutigen Zentrum von Aachen niedergelassen hatten.

Außerdem weiß man jetzt mit hinreichender Sicherheit, dass die Stadt Aachen in merowingischer Zeit (400 bis 700 nach Christus) durchgängig besiedelt worden ist.

Die Römer hatten Aachen nicht nur als Badestätte genutzt, sondern Häuser bewohnt, die etwa 35 bis 50 Meter lang waren und an ihrer Vorderfront einen Laubengang mit Säulen umfassten. Ihre Grundmauern sind ebenfalls am Elisengarten entdeckt worden.

Aufgrund des großen Interesses in der Bevölkerung und der enormen Bedeutung der Funde haben sich Politik und Verwaltung dazu entschlossen, ein 60 Quadratmeter großes Areal als «archäologische Vitrine», so der Arbeitstitel, für die Präsentation eines Teils der Fundstücke dauerhaft freizuhalten.

Wie berichtet, wurden drei Büros beauftragt, eine Lösung zu erarbeiten, die den Anforderungen nach guter Belichtung, ausreichender Belüftung und Frostunempfindlichkeit genügen.

Die übrige Fläche wird bis Ende Oktober wieder als Parkanlage nach einem Entwurf des Berliner Büros Lützow7 umgestaltet. Auch die Ursulinerstraße wird umgebaut: Nach Abschluss der Verlegung von Versorgungsleitungen der Stawag wird sie zur Fußgängerzone. Die verschiedenen verkehrsberuhigten Bereiche in der Innenstadt werden damit unterbrechungsfrei begehbar, so die Stadtverwaltung.

Furiose Zeitreise durch das alte Aachen Von Werner Czempas 01.03.2009, 20:03 (Aachener Nachrichten) Aachen. Im Jahr 9 nach Christi Geburt, mutmaßen die Historiker, hätten germanische Scharen, angeführt vom Cheruskerkönig Arminius, im Teutoburger Wald drei römische Legionen des P. Quinctilius Varus aus dem Hinterhalt überfallen und vernichtend geschlagen. Genau 2000 Jahre später überrannten Germanen vom Stamme der Aachener erneut die Römer. Die Aachener kamen dieses Mal nicht aus dem Hinterhalt, sondern in friedlicher Absicht, aber in mehrhundertköpfigen Scharen. Im Elisengarten wollten sie am Wochenende schauen, was von den ollen Römern auf Aachener Boden übriggeblieben ist. Welch ein unvergessliches Schauspiel sie erleben! Angeführt wird die Heerschar vom Stadtarchäologen Andreas Schaub (44), seit Juni 2006 in städtischen Diensten. Schaub lässt seit einem halben Jahr von Experten unter einem etwa 80 x 50 Meter großen, weißen Zelt hinter der Rotunde unterm Gras des Elisengartens nach Vergangenheit buddeln.

Donnerstags führte er eine Stunde durch die Entdeckungen, im Schnitt marschierten knapp 100 Interessierte mit. Zur letzten Führung am Donnerstag aber rückten unerwartete 800 Wissbegierige an - eine Menge, die kaum noch zu leiten war und in deren Spektakel eine Dame sogar einen Schwächeanfall erlitt und kopfüber in eine Grube stürzte. Für den letzten Samstag mit zwei Sonderführungen um 11 und 13 Uhr sorgt Andreas Schaub vor. Eigenhändig klebt er gegen zehn Uhr die Zettel «Betreten auf eigene Gefahr» und «Aus Sicherheitsgründen muss die Teilnehmerzahl begrenzt werden» ans weiß-rote Plastik-Absperrgitter.
Andreas Schaub

Da stehen schon mehr als zehn Leute vorm Eingang in der Hartmannstraße an. Ein älterer Herr greift ahnungsvoll zum Handy: «Setz Dich langsam in Bewegung, es wird etwas eng hier.» Eng wird es von Sekunde zu Sekunde. Punkt 11 Uhr stehen zwei breite Schlangen bis hinter den Geldbrunnen hoch und zum Elisenbrunnen runter, schätzungsweise 600 Menschen. Nur noch rund 250 dürfen abgezählt ins Zelt, der große Rest wird auf die zweite Chance um 13 Uhr vertröstet und verläuft sich ohne Murren. Um 13 Uhr aber ist die Schlange wieder 400 Köpfe stark. Andreas Schaub bietet noch eine dritte Sonderführung für 14.45 Uhr an.Die 250 Sieger der ersten Runde aber schreiten glücklich durch zwei Eingänge ins Ausgrabungszelt. Ringsum hinter die Absperrungen verteilt erleben sie vor der 1000 Quadratmeter großen Ausgrabungsfläche mit ihren stellenweise mehr als zwei Meter tiefen, kreuz und quer laufenden Gräben, Gruben, Löchern und Steinwänden und -fundamenten eine wahrhaft spektakuläre Schau des Andreas Schaub - und eine furiose Zeitreise von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter.

Sensationelles Grabungsergebnis“ im Aachener Elisengarten "Die Aachener Geschichte wird zum Teil neu geschrieben werden müssen." Mit diesen Worten zog Aachens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden heute eine Zwischenbilanz der archäologischen Ausgrabungsstätte im Elisengarten. Auf rund 1.000 Quadratmetern wird seit August letzten Jahres die Erde nach Resten der Vergangenheit durchsucht. In bis zu drei Metern Tiefe sind die Wissenschaftler um Stadtarchäologe Andreas Schaub und Projektleiter Gary White (Goldschmidt Archäologie & Denkmalpflege aus Düren) fündig geworden: Sie haben zum Beispiel Belege dafür gefunden, dass sich um 3000 v.Chr. die Menschen, die am Lousberg Feuerstein abgebaut haben, im heutigen Zentrum von Aachen niedergelassen hatten. Außerdem konnten erstmals Hinweise dafür gefunden werden, dass Aachen in merowingischer Zeit (400 bis 700 n.Chr.) durchgängig besiedelt worden ist. Auch zu den Römern gibt es neue Erkenntnisse: Sie nutzten Aachen bis um das Jahr 400 offensichtlich nicht nur als Badestätte, sondern haben hier größere Wohnhäuser, die etwa 35 bis 50 Meter lang waren, errichtet. An ihrer Vorderfront befand sich ein Laubengang mit Säulen, deren Reste im Elisengarten entdeckt wurden. Die Grundmauern konnten freigelegt werden. "Das ist ein sensationelles Grabungsergebnis", erklärte Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden heute auf einer Pressekonferenz im Aachener Rathaus. Er kündigte an, die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es werde darüber nachgedacht, ein 60 Quadratmeter großes Areal in der künftig neu zu gestaltenden Parkanlage für eine dauerhafte Präsentation freizuhalten, sagte Linden. Die Verwaltung hole derzeit Gestaltungsvorschläge ein, über die im April die politischen Gremien entscheiden sollen. Ungewöhnlich für eine historische Stadt wie Aachen ist nicht nur die Lage und Größe der Ausgrabungsstätte, sondern auch, dass sie von Gästen, Bürgerinnen und Bürgern ständig besucht werden kann. Sie ist ein Teil des Projektes "Route Charlemagne" im Rahmen der EuRegionale 2008 und wird mit Landesmitteln gefördert. Die wöchentlichen Führungen erfreuen sich nach wie vor ungebrochener Beliebtheit: Bis zu 200 Menschen nehmen regelmäßig daran teil (donnerstags um 16 Uhr), ein ungeahnt positives Ergebnis. Stadtarchäologe Andreas Schaub erläuterte die Erkenntnisse, die die Forscher in Aachen gewonnen haben: "Wie in vielen anderen Städten wissen wir wenig über die Zeit zwischen 400 und 700 n.Chr., weil man damals nicht mit Stein, sondern vorwiegend mit Holz gebaut hat." Durch die Größe der Ausgrabungsstätte seien zahlreiche Spuren von tragenden Holzpfosten gefunden worden, die bei kleineren archäologischen Maßnahmen nicht zum Vorschein gekommen wären. Man wisse jetzt auch mehr über die Lebensweise der Menschen im Mittelalter. "Die Leute, die am Elisengarten gewohnt haben, müssen einigermaßen betucht gewesen sein, weil wir kostbare Gläser gefunden haben", so Schaub. Auch die Kelten haben offenbar in Aachen gewohnt: "Bisher wurde darüber mehr geschrieben als gewusst," erklärte Schaub, doch mit dem Fund von Siedlungskeramiken und eines Schmuckstückes aus Glas werde diese These weiter untermauert. Der Stadtarchäologe schätzt, dass die Ausdehnung der römischen Siedlung mindestens 16 bis 20 Hektar betragen habe, möglicherweise sogar 50. "Das ist schon eine veritable Kleinstadt", so Schaub. Mit Spannung werden jetzt die Ergebnisse der Auswertungen erwartet, die unter anderem klären sollen, wie alt die fünf Skelette genau sind, die bei den Ausgrabungen entdeckt wurden. Bisher datierte man sie auf das späte Mittelalter. Rund 50.000 Objekte sind bisher im Elisengarten gefunden worden - "ein voller Erfolg", wie Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden erklärte. Die Ausgrabungen werden noch bis Ende Februar dauern. Anschließend beginnen die Bauarbeiten zur Neugestaltung der Parkanlage. Quelle: Stadt Aachen [[15]]

Keltisches Glas und eine römische Villa im Elisengarten

Von Wolfgang Schumacher 23.01.2009, 19:00 (Aachener Nachrichten)

Aachen. Die Geschichte der Kaiserstadt muss in weiten Teilen ergänzt beziehungsweise neugeschrieben werden. Dies ist das erste Fazit der monatelangen Ausgrabungsarbeiten im Aachener Elisengarten. «Während der Arbeiten sind wir zu völlig neuen Erkenntnissen gelangt», sagte Stadtarchäologe Andreas Schaub am Freitag. «Sensationsfunde» nannte sie Oberbürgermeister Jürgen Linden am Freitag trocken, die «für die Bevölkerung und für mich als noch Ober-Öcher» eine faustdicke Überraschung seien. Archäologische Funde unter dem großflächigen weißen Zelt im Elisengarten meinte er damit, Funde, die «Aachens Geschichte neuschreiben» werden und laut Stadtarchäologe Andreas Schaub «großes Aufsehen» bereits in den Nachbarländern und bei Kollegen im geschichtlich ebenso gesegneten Xanten erregt haben. 16 «Wühlmäuse» der Goldschmidt-Archäologie und Denkmalpflege (Düren) buddeln unter Grabungsleitung von Gary White, einem Engländer aus Portsmouth, momentan dort Dinge aus, die Fachwelt, Touristen und ebenso die Bürger der Stadt noch lange beschäftigen werden. Triumphierend hielt Schaub im Rathaus beispielsweise ein kleines, beinahe quadratisches blaues Glasstück zwischen Daumen und Zeigefinger, übergab es dem OB, der wissend lächelte: «Das ist ein Stück eines Glasarmbandes, das hat sicherlich eine junge Keltin getragen.» Oder ihre Schwiegermutter, fügte er schulterzuckend hinzu. Jenes Stück Glas soll aus dem 3. Jahrhundert vor Christi Geburt sein, würde aber auch in einem hippen Modeschmuckladen nicht weiter auffallen. Doch das Glasstück hat historisch immense Bedeutung. Über die Kelten im Aachener Talkessel sei eher wenig bekannt, dozierte Schaub über den Keltenfund. Nun wisse man, dass sie hier direkt in der Mitte wohnten, vielfache «Siedlungskeramik», wie es fachlich richtig heißt, stammt aus dieser Zeit und untermauert die Bedeutung des blauen Glases. Doch: Im Grabungsviereck könne man ebenso glatte 3000 Jahre zurückspringen, in die Jungsteinzeit. Denn die Experten von Goldschmidt fanden zwei Feuersteinhämmer, deren Material wie bekannt aus den steinzeitlichen Gruben am Lousberg stammt. Dass jene Hämmer von den Öcher Verwandten der «Feuersteins», wie die beliebte Comic-Steinzeit-Familie heißt, direkt im Zentrum des Talkessels zwischen den heißen Quellen mehr als 3000 Jahre vor der Römersiedlung Aquisgrana behauen und zu Werkzeug geformt wurden, daran hatte bislang niemand gedacht.

Reiche Römer Gehämmert und auch anderweitig handwerklich gearbeitet wurde somit über die Jahrtausende hinweg neben der späteren karolingischen Kaiserpfalz. Was allerdings der Aachener Seele wie eine lang entbehrte und jetzt strahldick sprühende Balsam-Dusche gut tut, ist die Erkenntnis: «In der Römerzeit war Aachen nicht nur ein kleines unbedeutendes Heilbad», so frohlockte Archäologe Schaub. Keineswegs hätten ein paar Römer hier in freier Natur quasi vor sich hin geplanscht, im Gegenteil, zog der Archäologe einen tief sitzenden Stachel aus dem Öcher Fleisch. Die Grabungen zeigen überraschend die Fundamente eines «35 bis 50 Meter langen Gebäudes aus der Römerzeit». Die Front des herrschaftlichen Hauses mit Nebengebäuden zeigt zur Ursulinerstraße, die Rückfront reicht beinahe bis zum heutigen Elisenbrunnen, Grundmauern wurden in bis zu drei Meter Tiefe gefunden. Im gesamten, übrigens öffentlich zugänglichen Grabungsareal, gibt es ein für Laien unübersichtliches Gewirr von Steinmauern und Holzgründungen, die zeitlich über 5000 Jahre reichen. Die römische Besiedlung Aachens ist jetzt endlich datiert. Im Bereich nahe der Ursulinerstraße/Ecke Mayersche Buchhandlung - dort wird ein etwa 60 Quadratmeter großes archäologisches Fenster als Punkt im Rahmen der «Route Charlemagne» angedacht - fand man eine Silbermünze aus der Zeit von Kaiser Augustus, die Besiedlung begann wohl um Christi Geburt. Daneben grub man die Mauern eines «kleinen römischen Heiligtums» aus, gegenüber direkt die Anlage eines Hypokaustum, einer raffinierten antiken Fußbodenheizung, die die Stadtvilla aus dem 2. Jahrhundert nach Christi Geburt im Winter so richtig gemütlich machte. Gary White beschrieb: «Hier müssen betuchte Römer gewohnt haben». Denn aufwändiger Estrich, ein Bodenbelag, wurde freigelegt, es gab kleinere Räume für «Mägde und Knechte» sowie fließendes Wasser und eine Klospülung.

Dunkle Spätantike Die römische Besiedlung lässt sich im Elisengarten weiterverfolgen bis in die geschichtlich eher dunklen Jahre der Spätantike, der Merowingerzeit und bis hin zu Karl dem Großen. Und auch das Spätmittelalter gab seine Spuren frei. In den Mauergrenzen der reichsfreien Abtei Stavelot-Malmedy aus dem Spätmittelalter, die auf die römischen Mauern gebaut wurde, fanden sich zahlreiche Spuren von Handwerk, wie Gerberelöcher oder Trockenräume für Tierhäute, sogar Lederhandschuhe und Schuhe wurden «sichergestellt», aber auch einzelne Kindergräber enthüllten ihren Inhalt. Die Archäologen und der OB haben mit den Funden noch großes vor. Die Grabungen sind Anfang März beendet, dann wird gesichtet und eine sicherlich Aufsehen erregende Ausstellung im Krönungssaal vorbereitet - Europa kann sich darauf freuen. Quelle: www.an-online.de Bildergalerie: [[16]]

Elisengarten: Ein riesiges Fenster in Aachens Vergangenheit Von Oliver Schmetz | 23.01.2009, 18:25 Aachener Zeiung Aachen. Schon vor 5000 Jahren siedelten Menschen dort, wo heute der Elisengarten liegt. Vor den Römern ließen sich die Kelten in Aachen nieder. Die Römer selbst blieben bis ins 5. Jahrhundert nach Christus und schufen nicht - wie bisher angenommen - ein kleines Heilbad, sondern eine richtige römische Kleinstadt mit möglicherweise prunkvollen Großbauten. Und auch in die bislang dunkle Zeit danach bis zum 8. Jahrhundert fällt nun endlich etwas Licht... All diese Erkenntinsse lassen sich aus Funden ableiten, die die Archäologen in den vergangenen Monaten bei ihren Grabungen im Elisengarten machten und für die Stadtarchäologe Andreas Schaub und Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden nur ein Wort finden: «sensationell». Was zwischen Elisenbrunnen und Dom zutage gefördert wurde, übertrifft alle Erwartungen. «Man darf einen Teil der Aachener Geschichte neu schreiben», sagt Linden, «für mich als Öcher ist das unglaublich.» Und auch das Herz des Stadtarchäologen schlug in den letzten Wochen oft höher. «Wir können jetzt von der Jungsteinzeit bis ins 16. Jahrhundert eine fast lückenlose Siedlungsabfolge ablesen», sagt Schaub. «Das hätten wir alles so nicht zu hoffen gewagt.» Man fand im Elisengarten jungsteinzeitliche Feuersteinkeile und Gefäße, Reste keltischer Schmuckstücke, Spuren von bis zu 50 Meter langen römischen Gebäuden, etwa 300 Objekte aus der Zeit der Merowinger und Karolinger und stieß überdies auf eine Fülle von spätmittelalterlichen Funden. Ein Teil dieser Grabungsergebnisse soll nun dauerhaft sichtbar gemacht werden. Geplant ist eine Art archäologisches Fenster, das am Rande des Parks eine Fläche von 60 Quadratmetern einnehmen soll. Gestaltungsideen werden derzeit gesammelt, als touristisches Highlight könnte das Ganze dem Euregionale-Projekt Route Charlemagne angegliedert werden. Spätestens im Mai sollte die Politik da Nägel mit Köpfen machen, hofft OB Linden.

Mitteilung Stadt Aachen Am 28.8.2008 wurde die Grabung offiziell von Oberbürgermeister Dr. Linden und vom Leiter des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, Prof. Dr. Jürgen Kunow, eröffnet. Vor der Umgestaltung des Elisengarten wird die gesamte Fläche grundlegend untersucht. Schon etwa 30cm unter der Grasnarbe wurden erste römische, aber auch mittelalterliche und die erwarteten neuzeitlichen Reste früherer Bebauungen freigelegt. Die Fotos zeigen den Zustand bei der Eröffnung. Das Publikum kann am Rand der Grabungen die Arbeit verfolgen.

Von der Grabung werden Aufschlüsse über Aachens frühe, römische, merowingische, karolingische und mittelalterliche Siedlungsgeschichte erwartet. Es handele sich um eine der flächenmässig grössten Grabungen in Aachens Geschichte.

Auf dem Portal der Stadt sind aktuelle Informationen zur Planung und zu den Grabungen zu finden.[[17]]

Römisches Gebäude im Elisengarten

Bei der archäologischen Begleitung der Leitungsbauarbeiten der Stadt Aachen im Rahmen der Neugestaltung des Elisengartens wurden hart nördlich des Rundbaus des Elisenbrunnens in nur 0,40 m unter der heutigen Oberfläche in einem schmalen Leitungsgraben überraschend gut erhaltene – bis in 1,10 m Tiefe reichende - Fundamente eines römischen Gebäudes angetroffen und dokumentiert. Um sie erhalten können, musste die Leitungstrasse umgelegt werden.

SKArcheoConsult – Büro für archäologische Planung


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Kontramauer der jüngeren mittelalterlichen Stadtbefestigung im Boxgraben

Bei der archäologischen Begleitung der Kanalbauarbeiten der STAWAG wurde in Hausanschlüssen für das Luisenhospital (Haus-Nr.99) ca. 0,80 m unter der heutigen Straßenoberfläche die gut erhaltene Kontramauer des mittelalterlichen Stadtgrabens angetroffen. Die Mauer hat die erstaunliche Breite von 2,35 m. Ihre Unterkante wurde bei 2,80 m unter Oberfläche noch nicht erreicht. Sie ist nach Süden gegen den gewachsenen Boden gesetzt und zeigt auf der Stadtseite Sichtmauerwerk aus sauber gemauerten Blausteinquadern.

SKArcheoConsult – Büro für archäologische Planung


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Turm der äußeren mittelalterlichen Stadtbefestigung in der Krakaustraße

Bei der archäologischen Begleitung der Leitungsbauarbeiten der STAWAG in der Krakaustraße (Haus-Nr.29) wurden 0,70 m unter der heutigen Straßenoberfläche Reste eines Turmes der jüngeren mittelalterlichen Stadtmauer angetroffen und dokumentiert. Es handelt sich um einen Rund- oder Halbrundturm, von dem auf einer Strecke von etwa 3 m noch drei Lagen des sauber gearbeiteten Quadermauerwerks erhalten waren. Die Mauerstärke konnte in dem Ausschnitt des Leitungsgrabens nicht ermittelt werden, die Fundamentunterkante war bei 1,50 m unter Oberfläche noch nicht erreicht. Auf den frühneuzeitlichen Stadtansichten ist er als Krakau- oder Karlsturm bezeichnet.

SKArcheoConsult – Büro für archäologische Planung


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Ausgrabungen am Elisengarten

"Seit August 2008 werden am Elisengarten Ausgrabungen vorgenommen, an die Altertumsforscher große Hoffnungen knüpfen. Andreas Schaub, Archäologe der Stadt Aachen, und Gary White (Projektleiter der durchführenden Firma GOLDSCHMIDT Archäologie & Denkmalpflege, Düren) sollen Licht in das Dunkel einer Zeit bringen, die bisher nur wenig erforscht wurde. Die Wissenschaftler hoffen, Antworten zu finden auf zahlreiche ungelöste und spannende Fragen zur Stadtgeschichte Aachens:

Wo wohnten die Menschen, die in der Jungsteinzeit am Lousberg Feuersteine abgebaut haben? Wann begann die Besiedlung durch die Römer? Wurde Aachen wirklich mehrfach zerstört? War die Kaiserstadt Schauplatz des Aufstandes des germanischen Volkes der Bataver gegen die römische Herrschaft im Jahre 69 n. Chr.? Wer wohnte in Aachen nach den Römern und vor den Karolingern? Wo lebten die Menschen zu der Zeit, als Kaiser Karl in Aachen residierte?

"Als einzigartige Chance für Aachen" bezeichnet Schaub die Ausgrabungen am Elisengarten. Denn solche großen, freien, über die Jahrhunderte hinweg unbebauten Flächen, über die man weiß, dass sie eine Fülle historischen Materials beherbergen, sind äußerst selten. Zudem sind Ursuliner- und Hartmannstraße, an die der Elisengarten grenzt, nicht nur die ältesten, urkundlich erwähnten Straßen der Kaiserstadt, sie sollen sogar schon in der Römerzeit vorhanden gewesen sein. Bei den Voruntersuchungen, die bereits stattgefunden haben, wurden sowohl römische als auch mittelalterliche Siedlungsspuren entdeckt: Reste von Mauern und Kanälen, aber auch Keramikscherben aus karolingischer Zeit.

Ungefähr ein halbes Jahr werden die Ausgrabungen am Elisengarten dauern, dabei 1.500 Kubikmeter Erde bewegt werden. Finanziert werden die Ausgrabungen mit Mitteln der EuRegionale 2008, denn der Park ist Bestandteil der Charlemagne-Station "Elisenbrunnen" und somit derzeit eine "temporäre Station". Ein großräumiges Zelt bietet nicht nur den Archäologen Schutz, sondern ist auch für Bürgerinnen und Bürger gedacht, die sich einen Einblick in die Arbeit der Forscher verschaffen wollen.

Während der Arbeiten ist tagsüber für jeden Interessierten ein Ausstellungscontainer in der Nähe des Geldbrunnens zugänglich, der über die Geschichte Aachens informiert. Ein spezielles "Fundstück der Woche" wird in einem Glascontainer im Ausgrabungszelt zur Schau gestellt werden.

Fund einer römischen Mauer an der Ursulinerstrasse

Aachener Nachrichten, 3.12.2008 Aachen. Am Montag war die Sensation perfekt: Drei Mitarbeiter des Bonner Archäologenbüros Archaeo-Net, die der Architekt Dollmann beauftragt hatte, haben an der Baustelle Ursulinerstraße ein rund 1,50 Meter hohes aufgehendes Mauerwerk aus römischer Zeit gefunden. Zwar hatten die Architekten Medefindt und Dollmann damit gerechnet, da, wo bis vor kurzer Zeit das Elektronikfachgeschäft Radioring residierte «irgendetwas aus grauer Vorzeit, aus karolingischer Periode» zu finden, aber mit einer römischen Mauer, dazu gut erhalten, hatte keiner gerechnet. «Auf jeden Fall werden wir die Mauer erhalten», ist den Bauherren Hans-Peter Dollmann und Hartmut Medefindt klar. Seit Dienstag ist der archäologische Fund in die Denkmalliste eingetragen, am Dienstag wurde die Mauer auch freigelegt. Vor fast 2000 Jahren diente das Mauerwerk als südliche Rückwand zum Portikus hin und hatte imponierende sieben Meter Höhe und etwa acht Meter Breite. Von solch einem Portikus wurde vor Jahren eine Nachbildung im Hof aufgestellt.

Lob für Bauherrn

Michael Wiehen, der Chef der kleinen Ausgräbertruppe, ist begeistert: «Ich hätte nie damit gerechnet, so einen Fund zu machen», sagt er stolz. Er lobt die Baukunst der römischen Maurer und Poliere aus vergangenen Zeiten. «Die haben für eine Ewigkeit gebaut. Da gab´s keinen Pfusch am Bau. Die Mauer hat sogar den Abriss des Hauses überstanden.» Wiehen weiter: «Die Bauarbeiter, die im Mittelalter einen Teil abgetragen haben, um eine neue Wand zu errichten, müssen ganz schön geflucht haben, als sie nicht so einfach Stein für Stein abheben konnten.» Stadtarchäologe Andreas Schaub teilt die Begeisterung seines Bonner Kollegen, «weil die Mauer so gut erhalten ist». Er lobt, wie Wiehen, Hans-Peter Dollmann. Wiehen: «So eine gute Zusammenarbeit mit einem Bauherrn haben wir selten.» «Schließlich nicht billig» Dollmann sei aufgeschlossen und stelle sich den Problemen, die aus der Vergangenheit resultierten. «Das ist ja schließlich nicht billig», kommentiert Wiehen. Der hoch gelobte Dollmann sieht sich noch nicht in der Lage, die Kosten zu nennen, die auf ihn und seinen Kollegen zurollen. Aachener Nachrichten, 3.12.2008


Aachener Zeitung, 3.12.2008 Aachen. Die Experten können es kaum fassen: «Das ist herausragend», sagt Archäologe Michael Wiehen von der Bonner Firma Archaeonet. Und trifft damit auch im wörtlichen Sinne den Nagel auf den Kopf. Aus dem Boden ragt eine Mauer auf - mindestens 1,50 Meter hoch, acht Meter lang, knapp 2000 Jahre alt. Aufgetaucht ist sie, weil rundherum andere Mauern gefallen sind. Nämlich die des ehemaligen «Radio-Ring»-Hauses an der Ursulinerstraße.Auf der Fläche wird durch die Architekten Hans-Peter Dollmann und Hartmut Medefindt ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Und nun das: «Das ist nach den Thermen der größte erhaltene Fund aus der Römerzeit, der in Aachen jemals ausgegraben wurde», ist auch Stadtarchäologe Andreas Schaub zum Jubeln zumute. Und nicht nur deswegen. Für Begeisterung sorgt, dass die Bauherren sich bereit erklärt haben, den Fund erhalten zu wollen. Will sagen: Sie planen das Gebäude um. Außerdem könnte die Mauer später zu bestimmten Zeiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wie das funktionieren kann, soll heute entschieden werden. Was die Archäologen so überrascht ist,dass die Mauer noch so erhalten ist, waren auf dieser Fläche doch später auch die Karolinger zugange. Offenbar wurde aber das alte römische Mauerwerk einfach in neuere Bauten integriert. Es handelt sich laut Schaub um einen Teil des «Portikus», von dem man auch rekonstruierte Stücke im Hof bestaunen kann. Bei dem jetzt gefundenen Teil handelt es sich wohl um die Rückwand. Gebaut wurde sie vermutlich im 2. Jahrhundert nach Christus. Dass sie einst dort stand, wussten die Experten schon von Plänen her. Dass sie aber noch erhalten ist, hat ihnen denn doch fast die Sprache verschlagen.

Zusammen mit anderen Grabungen in der City schließt sich jetzt laut Schaub so mancher bislang unbekannte Kreis der Geschichte. Auf jeden Fall stehe die entdeckte Mauer «mitten im Herzen des römischen Aachen». Unterdessen herrscht bei den Bauherrn keineswegs Krisenstimmung, sondern Freude: «Es ist und klar, dass das von großer städtebaulicher Bedeutung ist», sagt Architekt Hans-Peter Dollmann. Und: «Wir wollen nicht die Fehler der Vergangenheit machen und das wegbaggern, sondern es erhalten.» Dafür sei man sogar bereit, «viel Geld in die Hand zu nehmen», schließlich müsse dann auch die Archäologie weitergetrieben werden. Eine Entscheidung sei allerdings noch von «mehreren Faktoren» abhängig und werde in den kommenden Tagen fallen.

Archäologische Untersuchungen im Aachener Stadtgebiet

Aachen-Innenstadt, Bauvorhaben "Super C": Stadtkerngrabung (ca. 1.800 qm) mit vorgeschichtlichen, karolingerzeitlichen, hoch- und spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Funden und Befunden.

Aachen-Innenstadt, Bauvorhaben "Semi 90": Baubeobachtung im Bereich der Stadtbefestigung "Barbarossamauer" mit bislang einzigartigen Details zur Fortifikation Aachens. 3D-Laserscannen von archäologisch erschlossenen Teilen der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Aachen-Dom: 3D-Laserscannen von archäologisch erschlossenen Teilen der römischen und nachrömischen Baustrukturen.

Aachen-Forst/Schönforst: Bauvorgreifende archäologische Sachverhaltsermittlung im Umfeld einer römischen Siedlungsstelle.

(Quelle/Durchführung: GOLDSCHMIDT Archäologie & Denkmalpflege, Düren)


Der Elisengarten in Aachen, bauhistorischer Rückblick

Dietmar Kottmann hat eine Zusammenfassung des Wissensstandes zur Verfügung gestellt, die zum Verständnis der anstehenden Grabung im Elisengarten bedeutsam ist: Text als PDF und PDF von (leider teilweise schlecht lessbaren) Zeitungsausschnitten.

Datei:Der Elisengarten in Aachen -Bauhistorischer Rückblick-Kottmann.pdf Datei:Zeitungsberichte über grabungen im elisengarten.pdf

Bilder zum Elisengarten finden Sie hier:

Entwickung des Elisengartens+Elisenbrunnens

Staufferkeller am Markt

Der Arbeitskreis Denkmalpflege hate am 17.7.08 eine Begehung des sog. Staufferkellers am Markt durchgeführt. Die folgenden Bilder zeigen den gegenwärtigen Zustand. Es wird geplant, in dem Keller eine Gaststätte einzurichten.

Hinweise von Dietmar Kottmann zum Staufferkeller

Liebe Freunde der Aachener Baugeschichte, eine der 9 Mappen im Bestand Stadtarchiv Aachen, Nachlaß Dr. Sommer, acc. 1971/19 mit Zeitungsausschnitten, Schriftwechsel und Berichten, etc. ist dem Thema "Elisengarten, Damm, Stauferpalast, römische Wasserleitung" gewidmet. Sommer war in der damaligen Kontroverse um das Alter des Stauferkellers der Gegenpol zu Christ. Sommer hat den sog. Stauferkeller baugeschichtlich in das 14. Jh. eingeordnet, da dort u.a auch mit Ziegeln gebaut worden war. Er vertrat die starre Auffassung, daß in der nachrömischen Zeit Aachens Ziegel erst wieder im 14. Jh. verwandt wurden.

Christ hat zur Begründung seiner Gegenposition, die er in einer vorläufigen Darstellung in der Tagespresse veröffentlichte, darauf hingewiesen, dass Mitte des 14.Jh die alte aula regia als städtisches Rathaus umgebaut wurde und daß zu dieser Zeit der spätromanische Stil, nach dem auch der Stauferkeller gebaut ist, schon längst überwunden war. Ziegel seien vereinzelt auch schon früher verwandt worden.

Ob Köhne zu folgen ist, wenn er angibt, dass bei 5.3 m unter Straßenniveau (!) immer noch nicht der gewachsene Boden erreicht war, kann ich nicht beurteilen. Diese Angabe paßt aber zur Darlegung Mummenhoffs, wonach die Stadt in der ersten Hälfte des 14. Jh. - modern ausgedrückt - eine groß angelegte städtebaulichen Maßnahme zur Neugestaltung des jetzigen Markplatzes durchführte. Im späten 13. Jh. war der heutige Fischmarkt noch der städtische Markt. In jener Zeit beginnt langsam die Entwicklung der kommunalen Eigenständigkeit, die dann im 14. Jh. u.a. zur Übernahme des alten Königspalastes und zur Verlagerung des Stadtzentrums an dessen Nordseite geführt hat. Dazu würde durchaus passen, wenn man den Umstand, dass der östliche Baublock am Markt gleich zwei Mal in wenigen Jahrzehnten abgebrannt war, nutzte, um einen größeren Markplatz zu bekommen. Das vielleicht schon weiter westlich einsetzende Gefälle auf dem Markt, konnte man so und mußte man wohl auch ausgleichen. Ich habe noch nicht abgeprüft, ob die baulichen Strukturen der jetzigen Kellerebene zu der späteren Aufteilung in innere Stadtbezirke (sog. Grafschaften) passen, die bei M. Schmitt im Blatt "Aachen" des Deutschen Städteatlas wieder gegeben ist. Schmitt hat ja die Grafschaftsbücher des 15. Jh. beforscht und daraus das mittelalterliche Siedlungsraster entwickelt.

Anmerkung: Die beiden folgenden Dateien enthalten die Texte, auf die sich Herr Kottmann bezieht.

Datei:Köhne und Mummenhoff zur Baugeschichte der Ostseite des Marktes.pdf

Datei:Häuser um den mittelaterlichen Markt in Aachen nach M. Schmitt.pdf

Dietmar Kottmann

Archäologische Untersuchungen im Fundamentraum des Aachener Domes

Zur Zeit wird der gesamte Raum zwischen den Fundamenten des Aachener Domes auf Zustand und auf archäologische Funde untersucht. Dazu wird Segment für Segment der Boden aufgenommen und nach der Untersuchung wieder in jenes Segment eingefüllt, wo er früher gelegen hat. Diese Rückfüllung ist möglich, weil es alte Bauberichte gab, aus denen der Verbleib bei der früheren Ausgrabung dokumentiert ist. Die Arbeiten werden Dombaumeister Helmut Maintz und dem Stadtarchäologen Andreas Schaub betreut. Auch Institute der RWTH sind daran beteiligt. Datei:Baugrund Aachener Dom.pdf

Momentan (Stand: Ende April 2009) sind die Grabungen vorübergehend eingestellt. Sie werden voraussichtlich im August 2009 wieder aufgenommen. Bis dahin läuft aber die Bearbeitung der Funde aus der Domgrabung weiter, wozu die Stadtarchäologie Aachen auch freiwillige Kräfte gerne einlädt. [18]

Archäologisches Fenster Klappergasse

Faszinierender Blick ins 15. Jahrhundert AZ 16.12.2007 Aachen. Das archäologische Fenster an der Klappergasse/Ecke Jakobstraße ist aufgestellt. Der Aufsatz ist aus Stahl. Er wird die gewünschte Patina erst in einigen Wochen haben.

Eine Zeit lang wird es einen gewissen Materialabtrag geben, will heißen: wer sich anlehnt oder den Aufsatz anfasst, wird ein «Andenken» behalten.

Wenn man durch das Fenster blickt, sieht man - auf einer Mauer liegend - eine Blausteinrinne. Diese hatte man im Jahre 2005 bei Tiefbauarbeiten der Stawag gefunden. Die Untersuchungen ergaben, dass die Blausteinrinne aus dem 15. beziehungsweise 16. Jahrhundert datiert. Sie diente, gespeist mit dem Wasser aus dem Paubachkanal, zur Versorgung der bis 1941 in Höhe der Klappergasse 2-4 stehenden Brudermühle.

Der Name Brudermühle verweist auf die Eigentümer der Mühle, die Gemeinschaft der Stiftsherren des Marienstiftes. Sie hieß auch Brodmühle. Später stand an der Stelle der Mühle das Restaurant zur Brodmühle, in dessen Bierkeller noch zwei Mühlsteine lagen. Das Haus wurde 1941 durch Bomben zerstört. Die Kosten für das archäologische Fenster hat die Stawag übernommen. Die Stadt plant an anderer Stelle weitere archäologische Fenster.

Aachen hat einen Stadtarchäologen

Seit Mitte 2006 ist Andreas Schaub als Stadtarchäologe bei der Stadt Aachen - leider zunächst nur befristet - angestellt. Aber ein Anfang ist gemacht. Damit hat sich ein lang gehegter Wunsch vieler an der Erhaltung und Dokumentierung von Bodenfunden interessierten Aachenern und Fachleuten - und auch ein Antrag des Arbeitskreises Denkmalpflege an die Stadt - erfüllt. Wir möchten an dieser Stelle, von wo aus der Mangel an zureichender Betreuung von Bodeneingriffen im Stadtkern aus auch kritisiert wurde, bei OB Dr. Linden, Politik und Verwaltung für die Entscheidung bedanken. Wie nötig die Wiederbesetzung dieser Aufgabe war, zeigte sich schon sehr schnell (siehe dazu die nächsten Berichte). Wir wünschen ihm Erfolg bei seiner Arbeit.


Karolingische und mittelalterliche Gebäudespuren am Templergraben

Bei den bodenkundlichen Voruntersuchungen, die vor dem Bau des von der RWTH geplanten Gebäudes "Super C" anstanden, wurden überraschend Gräben noch unbestimmter Funktion, Spuren von Bauten und von Wohn- und Wirtschaftstätigkeit entdeckt. Der neue Stadtarchäologe, Andreas Schaub lud am 26.10.06 Vertreter des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege sowie Vertreter von Museum Frankenburg, Stadtarchiv, vom Aachener Geschichtsverein, AK. Karolingisches Aachen und AK. Denkmalpflege ein, sich ein Bild von der Situation zu machen, bevor ab 1. November die Bauarbeiten der RWTH beginnen. Hier wurde nach unserem Eindruck in vorbildlicher Form eine Zusammenarbeit mit einer Grabungsfirma, örtlichen Sackundigen (wie Wolfram Giertz)so organisiert, dass unter dem gegebenen engen zeitlichem Rahmen eine gute Fundsicherung erfolgen konnte. Mehr dazu, wenn Berichte vorliegen. Die Fotos zeigen Bodenverfärbungen durch Brunnen und die Arbeit der Dürener Grabungsfirma Goldschmidt.

Am 14.12.06 hatte der Stadtarcheologe Andreas Schaub zu einer weiteren Besichtigung geladen. Leider hatte der Baggerführer den zu besichtigenden 2. karolingischen Brunnen am Rande der Wüllnerstrasse eigenmächtig schon abgetragen. Die Bilder zeigen den Brunnenrest, an dessen Fuss ein Pferdekopf lag. Die Brunnenabsis wird noch genauer auf Funde untersucht. Es waren noch eine Reihe der Fassdauben des "Fassbrunnens" erhalten. Schaub hofft so aussagefähige Reste zu bergen, dass eine Datierung möglich wird. Auf einigen Bildern sieht man deutlich die Verfärbungen des Erdreichs durch die Fassdauben am Brunnenrand.

Aktuelle Zeitungsmeldungen dazu:

Aachener Nachrichten Online (Stadt) 02.11.2006: Fass-Brunnen aus Karolingerzeit gefunden Aachen. Den Verantwortlichen für den Bau des «Super C» am Templergraben standen wochenlang die Schweißperlen auf der Stirne. Denn bis vor den Tag des Baubeginnes für das 23-Millionen-Projekt der RWTH-Aachen waren eine Reihe archäologischer Funde aus der Zeit Karls des Großen (um 800 nach Christus) zu sichern, karolingische Gräben, Ton- und Steinfunde mussten dokumentiert werden. Jetzt aber haben die Wühlmäuse in den Kellern der «Alten Chemie», die dort früher direkt neben dem RWTH-Hauptgebäude stand, einen für Aachen sensationellen Fund getätigt, wie Stadtarchäologe Andreas Schaub bestätigte. Die Experten des mit den Grabungen beauftragten Dürener Büros Frank Goldschmidt fanden im Erdreich zwei karolingische Brunnen - erstaunlicherweise die ersten aus der Zeit Karls überhaupt in Aachen. Archäologe Schaub zum Fund: «Solche Fass-Brunnen sind bereits öfter aus der Karolingerzeit gefunden worden, in Köln etwa. Aber in Aachen war bislang keiner bekannt.» Und betonte mit Rücksicht auf den bau- und Liegenschaftsbetriebes (BLB) des Landes NRW: «Wegen uns muss der Beginn der Arbeiten am SuperC aber nicht verschoben werden.» Aachens BLB-Leiter Harald K. Lange dementierte denn auch sogleich Meldungen der Medien, der Baubeginn habe sich dadurch verschoben: «Die Baustelle ist zunächst eingezäunt worden.» Ein Beginn der Arbeiten sei nicht immer deckungsgleich mit der Annahme, dass dann große Baumaschinen anrücken. Mit der Archäologie sei man sich völlig einig, man störe sich überhaupt nicht gegenseitig, erklärte Lange.Die Ausgrabungsleiterin Stefanie Troll zeigte sich jedenfalls völlig glücklich über die Bedeutung der Funde. «Die zwei Brunnen», erklärte sie den «Nachrichten», «sind so genannte Fass-Brunnen, schlauchartig gebaut, im Durchmesser etwa 70 Zentimeter breit.» Es waren Wein- oder Bierfässer, deren Böden die Altvorderen herausschlugen und die Seitenwände als dann als Erdverschalungen nutzten. (wos)

Aachener Zeitung Online 02.11.2006: Karolingischer Faßbrunnen am Super C Aachen. Einen bemerkenswerten Fund haben die Archäologen auf der Baufläche des «Super C» gemacht. Dort, wo derzeit die Baustelle für den Studierendenservicecenter eingerichtet wird, wurde nämlich ein karolingischer Faßbrunnen entdeckt. Es ist der erste karolingische Brunnenfund in Aachen überhaupt und zementiert die Anzeichen, dass sich an dieser Stelle eine karolingische Siedlung befunden haben muss. Bislang waren nur auf dem Gebiet der Pfalz karolingische Spuren ausgemacht worden. «So einen Brunnen baut man ja nicht auf der Durchreise», sagt Stadtarchäologe Andreas Schaub. Auf den Bau des «SuperC» hat der Brunnen allerdings keine Auswirkungen. «Das Gelände ist freigegeben, es gibt keine Verzögerungen», bestätigt Bernd Klass, Pressesprecher des ausführenden Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW. Weitere Untersuchungen der Fundstelle könnten parallel weiterlaufen, bis die Bagger zwecks Ausheben der Baugrube anrücken. (tka)

Aachener Nachrichten online - 31.10.06 Aachen. Baubeginn am Templergraben: Neben dem Hauptgebäude der RWTH beginnen die Bauarbeiten zum Neubau des «SuperC», des Studierenden-Servicezentrums der Hochschule.Dabei hatte noch vor etwa einem Monat große Sorge die Verantwortlichen des Bau- und Liegenschaftsbetriebes beschlichen. Denn unter den abgerissenen Kellern der «Alten Chemie» direkt neben dem Hauptgebäude der RWTH am Templergraben fanden Stadtarchäologe Andreas Straub und der Aachener Ausgrabungsexperte Prof. Winrich Schwellnus merkwürdige Mauerverläufe und Bodenfunde aus der Karolingerzeit - der Baubeginn des heiß ersehnten «Super C», so waren die Befürchtungen, wackelte. Jetzt gibt es dicke und erleichterte Entwarnung. Das Dürener Archäologie-Expertenbüro Frank Goldschmidt hat die Befunde freigelegt, dann gesichert und dokumentiert. Vor vier Wochen war ein Stückchen «grüner Porphyr» gefunden worden, ein wertvolles Baumaterial, was zwar römischen Ursprungs ist, dann aber auch in Böden karolingischer Stadthäuser zu finden war. Das und die gefundenen karolingischen Mauergräben im Fundament der «Alten Chemie» ließen die Archäologen vermuten, dass dort weit vom der Pfalz Karls des Großen entfernt ein größeres Bauwerk gestanden habe - was eine Sensation wäre. Eine genaue Einordnung der Funde gibt es noch nicht, doch die Bagger von Hochtief legen nun los. (wos)

Aachener Zeitung Online: Super C: Bauleute folgen den Archäologen Aachen. Die Flächenuntersuchung liegt in den letzten Zügen, die Archäologen sind an der Ecke Wüllnerstraße/Templergraben dabei, ihre Utensilien einzupacken. Am Donnerstag wird hier die Baugrube ausgehoben, in deren Fundament die RWTH ihren Servicecenter Super C errichten lässt.Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Aachen, hat nun die Anwohner über die anstehende Großbaustelle informiert. Im Dezember beginnen die Rohbauarbeiten, für den Sommer 2008 ist die Einweihung geplant. Das Super C hatte in der Vergangenheit vor allem wegen des innovativen Einsatzes von Umweltressourcen für Schlagzeilen gesorgt.Im Mittelpunkt steht die Nutzung von Erdwärme. Dafür wurde 2500 Meter in die Tiefe gebohrt. Insgesamt 23 Millionen Euro wird das Gebäude in der Form eines großen «C» kosten. Bis zuletzt hatten die Archäologen die Baufläche unter die Lupe genommen und dabei einige bemerkenswerte Funde aus der Karolingerzeit gemacht. (tka) (31.10.2006

Mittelalterliche Kontermauer vor der Barbarossamauer

Bei Gründungsarbeiten für einen Neubau der RWTH am Templergraben (gegenüber der Hochulbibliothek) kam ein noch überraschend gut erhaltener Teil des Stadtgrabens zum Vorschein. Der Graben hatte auf der stadtabgewandten Seite eine mit grossen glatten Kalksteinen befestigte Böschung (Kontermauer). Auf den Bildern sieht man diese Böschung. An einer weiteren Stelle ist zwar der Rest des Grabens erkennbar, das Aussenprofil ist aber nicht mehr so gut erhalten. Die oben aufgesetzten Fundamentmauern stammen von dem Vorgängerbau an dieser Stelle. Die RWTH hat das geplante Gebäude daraufhin um einige Meter zurückversetzt. Dies ist der bisher einzige erhaltene Rest der originalen Grabenkonstruktion! Zur Information über die Lage können Sie sich mit dem folgenden Link den Plan der Stadtmauer von Carl Rhoen ansehen. Die Stelle liegt an der inneren Mauer zwischen Pontstrasse und der heutigen Eilfschornsteinstrasse. [[19]]


Giertz,W. Zur Archäologie von Pfalz, vicus und Töpferbezirk Franzstrasse in Aachen. Notbergungen und Untersuchungen der Jahre 2003-2005. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins.Band 107/108.Jahrgang 2005/2006

[[20]]


Archäologischer Bericht zum "Barbarossapark"

Der Bericht steht nun im Netz und kann unter dem Link "http://www.obib.eu/Archaeologie/Aachen/NW2004-1010.html" eingesehen werden.

Archäologischer Bericht zum Münsterplatz 2

Der Bericht steht nun im Netz und kann unter dem Link "http://www.obib.de/Archaeologie/Aachen/NW2006-1007.html" eingesehen werden.

Archäologische Berichte zum ehemaligen Kaufhofparkplatz Adalbertstr. - Reihstr.

Die Berichte stehen nun im Netz und können unter den folgendes Links gesehen werden: "http://www.obib.de/Archaeologie/Aachen/NW2004-1002.html" "http://www.obib.eu/Archaeologie/Aachen/Kaufhof/Kaufhof.html"

Archäologischer Bericht Beginenwinkel

"http://www.obib.eu/Archaeologie/Aachen/NW2004-1010.html"

Reaktion eines ausländischen Gastes auf die Aachener Probleme beim Bodenschutz

Careful digging in the course Aachen. |||PART 1 ||| Under the careful eyes of the archaeologists the Stawag digs now in course, rattling lane and at the monastery place. There the supply lines are renewed. Due to the proximity to cathedral and city hall thereby medieval or also Roman finds are almost expected. Therefore an enormous expenditure is taken in purchase. Only 90 centimeters deeply excavators the machines, then continue to root the archaeologists by hand. First finds were made and are already examined now. WELL IF THAY WANT TO FIND SOMTHING ... E3 IS THERE TO HELP (Quelle: http://www.flickr.com/photos/eins3/51209850/)

Bericht zur Bodendenkmalpflege der Stadt Aachen

vom 30.03.2006 in der 15 Sitzung des Planungsausschusses ungeändert beschlossen      


Erläuterungen:

Ausgangssituation:

Die Denkmalpflege der Stadt Aachen beabsichtigt, den Planungsausschuss ab sofort regelmäßig, das heißt ca. 2x im Jahr über dem Sachstand der Denkmalpflege und der Bodendenkmalpflege unabhängig von aktuellen Projekten, die im nicht öffentlichen Teil der Tagesordnung des Planungsausschuss zu behandeln sind, zu unterrichten.

I. Bodendenkmalpflege

1.Verfahren:

Festzuhalten ist für diesen Bereich zunächst, dass bei der Nachbearbeitung der Bauarbeiten rund um den Katschhof mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege (RAB) vereinbart wurde, dass die Arbeiten künftig, folgendermaßen erfolgen:

Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Aachen und das Rhein. Amt für Bodendenkmalpflege (RAB) haben die archäologische Begleitung der Erdbaumaßnahmen und die fachgerechte Dokumentation ggf. angetroffener Bodendenkmalsubstanz durch archäologisches Fachpersonal ausdrücklich verlangt. Alle Erdbauarbeiten werden daher in dem fachlich erforderlichen Umfang, von archäologischem Fachpersonal, von Fremdfirmen aber auch durch das RAB selbst systematisch auf archäologische Befunde kontrolliert Werden bei dieser Kontrolle archäologisch relevante Schichten, Mauern oder Bodenverfärbungen beobachtet, wird der maschinelle Erdaushub an diesen Stellen in der dann erreichten Tiefe eingestellt und die archäologischen Befunde bauvorgreifend manuell weiterbearbeitet.

Zahlreiche Maßnahmen der STAWAG (Kanalbaumaßnahmen, Verlegung von Versorgungsleitungen etc.) und der Aushub von Baugruben zur Errichtung von Gebäuden in der Aachener Innenstadt führen aktuell zu einer Vielzahl archäologischer Begleitung und z.T. umfangreicher Untersuchungen vor Ort. Die Baumaßnahmen liegen sowohl im Zentrum rund um den ehemaligen Pfalzbezirk Karls des Großen als auch im Bereich des inneren Mauerrings und der äußeren Stadtmauer. Die archäologischen Erwartungen im Altstadtkern sind entsprechend hoch, die zwischenzeitlich gesammelten Ergebnisse jedoch sehr unterschiedlich zu bewerten.

Die Geländedokumentation erfolgt auf der Grundlage der Richtlinien des Rhein. Amtes für Bodendenkmalpflege und der Empfehlungen des Verbandes der deutschen Landesarchäologen zu archäologischen Ausgrabungen und Prospektionen. Die Geländedaten werden EDV-gerecht aufbereitet und in ein CAD- und Datenbanksystem übertragen. Dokumentation und Fundmaterial werden dem RAB übergeben. Einen Abschlussbericht erhalten das RAB, der Auftraggeber und die Stadt Aachen.

2. Konkrete Projekte:

In der Zwischenzeit wurden bereits erste Maßnahmen mit unterschiedlichsten Funden und Befunden abgeschlossen. Bei der Maßnahme am Klosterplatz wurden ein römischer Fußboden, Teile einer mittelalterlichen Wasserleitung und ein Löschteich aus dem 2. Weltkrieg entdeckt. Wie erwartet, waren die dortigen archäologischen Befunde bedauerlicher Weise durch die Errichtung des Löschteiches und andere Bodeneingriffe der Vergangenheit bereits erheblich gestört. Bei den Baumaßnahmen in der Karmeliterstraße/Im Mariental war das RAB selbst vor Ort. Entgegen den Erwartungen, dort auf Reste eines Klosters zu stoßen, traten Überbleibsel einer ehemaligen Kaserne zu Tage. In der örtlichen Presse wurde hierüber berichtet. Die Aushub- und archäologischen Begleitmaßnahmen werden noch fortgesetzt.

Am Bergdriesch wurden Reste mittelalterlicher Bebauung und Holzwerk geborgen. Zwecks Altersbestimmung wird das Holzwerk dendrochronologisch untersucht.

Bei den Baumaßnahmen in der Sandkaulstraße, am Sandkaulbach und am Bergdriesch, also noch im Bereich der mittelalterlichen Altstadt, wurden Ledersohlen, vermutlich aus dem Hochmittelalter, gefunden.

Am Seilgraben/Hirschgraben hat sich die Einschätzung des Fundes römischer und mittelalterlicher Siedlungsrechte aktuell nicht bestätigt Ebenso wurden bei den Baumaßnahmen in der Jesuitenstraße keine historischen Funde gemacht.

Der jüngste Fund in der Rethelstraße hat eine frühmittelalterliche Mauer und Reste eines spätmittelalterlichen Kellers zu Tage gebracht. Die örtliche Presse berichtete bereits hierüber. Die Archäologen sind zurzeit noch mit der gründlichen Freilegung und Untersuchung dieses Fundes beschäftigt. In Zusammenhang mit den archäologischen Untersuchen in der Rethelstraße ist der Hinweis wichtig, dass es sich bei der dortigen Situation um eine relativ junge Straße handelt, die aus dem Ende des 19. Jahrhundert stammt. An dortiger Stelle haben vorher andere Gebäude mit der Bezeichnung Büchel 6, 8 und 10 sowie Hühnermarkt 13/15 gestanden. Diese Tatsache lässt möglicherweise Rückschlüsse auf die aktuellen archäologischen Erkenntnisse zu.

Stadtarchäologe:

Neben der *Archäologie vor Ort" wird seitens der städtischen Denkmalpflege gemeinsam mit der FH Köln das Forschungsprojekt archäologische Bestandserhebung fortgesetzt. Das aktuelle Untersuchungsgebiet ist hierbei die engere Umgebung des Pfalzbezirks Karls des Großen. Die Denkmalpflege ist zuversichtlich, noch im Laufe des Jahres auch hier erste Ergebnisse präsentieren zu können. Die Ergebnisse dieses Projektes sind u.a. auch für die abschließende Bewertung der aktuellen archäologischen Erkenntnisse äußerst hilfreich.

Eine der vordringlichsten Aufgaben des künftigen Stadtarchäologen sollte es daher sein, die unterschiedlichen Dokumentationen, Erhebungen und Berichte auszuwerten und zusammenzuführen und über Ausstellung, Veranstaltungen für die Aachener BürgerInnen öffentlich zu machen.

Die Abteilung Denkmalpflege hat den Antrag der Stadt auf Eintragung auch des Rathauses als Weltkulturerbe erneut aufgegriffen und dazu ein Gespräch mit den Verantwortlichen

auf der deutschen und internationalen Ebene geführt. Vereinbart wurde, dass die Stadt bis Ende des Jares 2006 in Abstimmung mit dem Domkapitel eine Erweiterung des Weltkulturerbes Dome auf den Katschhof und das Rathaus beantragt. Die Erfolgsausschichten für einen solchen Antrag wurden positiv bewertet.

2. Stelle Stadtarchäologe

Auf die Ausschreibung der Stadt Aachen sind 44 qualitativ hochwertige Bewerbungen höchsten Qualitätsniveaus. Für das Auswahlverfahren am 29.3.06 wurden 8 Kandidaten für ein persönliches Auswahlgespräch eingeladen. Aufgrund des erforderlichen Abstimmungsverfahrens über diese Neueinstellung mit dem Personalrat wird eine Einstellung erst Ende des 2. Quartals 2006 möglich sein.

Das Land NRW hat bereits 28.000 € im Haushalt für die Stadt Aachen zur Verfügung gestellt. Die Zahlung der Beträge ist abhängig von der Einstellung eines qualifizierten Archäologen.

3. Archäologische Bestandserhebung 

Das Projekt *Archäologische Bestandserhebung in historischen Stadt- und Ortskernen in Nordrhein-Westfalen" erhält eine finanzielle Unterstützung des Landes. Der zur Zeit in Bearbeitung befindliche Bereich soll bis ende 2006 fertig gestellt sein.


4. Denkmalpflege

Denkmalpflegerische Landesförderungen aus dem Bereich Hochbau wurden beantragt bzw. gibt es bereits für die Dachsanierung des Aachener Rathauses, die Sanierung des Treppenanbaus am städtischen Ponttor und die Sicherung der Gruftanlage beim Campo Santo.

Für 2007 wurden außerdem die Sanierung des Marktbrunnens und die Sanierung der Wandgemälde und des Deckenputzes im Werkmeistergericht des Aachener Rathauses angemeldet.

Beschlussvorschlag:

Der Planungsausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.


P.S.

Die Verwaltung teilte in der Sitzung mit, daß man sich bei der Vorstellung am 29.3.06 für einen guten Bewerber um das Amt des Stadtarchäologen entschieden habe.


Der Band 107/108 der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins mit einigen baugeschichtlichen Beiträgen wird am 21.4.06 im Rathaus der Presse vorgestellt. Er kann danach beim Verein bezogen werden. Zum Inhalt s. Homepage des Vereins:

http://www.aachener-geschichtsverein.de/Impressum

Denkmäler - Rettet die Retter

DANKWART GURATZSCH

Erstmals seit dem Europäischen Denkmalschutzjahr vor exakt dreißig Jahren sehen führende Denkmalpfleger das historische Erbe wieder fundamental in Frage gestellt. In einer „Dresdner Erklärung“ fordern sie, die Standards der Denkmalpflege zu sichern - und das heißt nichts anderes, als deren Grundlagen überhaupt zu retten. Parallel dazu mahnen in Berlin Experten aus 40 europäischen Ländern die Verantwortlichen „dringend“, „vorausschauende und vorbeugende Maßnahmen“ zum Schutz der auf die Welterbeliste aufgenommenen Stätten zu ergreifen. Die beiden unabhängig voneinander formulierten Papiere bilden ein alarmierendes Zeitzeugnis. Der Denkmalschutz in Deutschland wird unter dem Vorwand eines Abbaus von Bürokratie auf breiter Front zurückgebaut. Fachbehörden werden aufgelöst, Etats und Stellenpläne bis an die Grenze der Erfüllbarkeit dienstlicher Pflichten zusammengestrichen. Gleichzeitig wächst der Druck, denkmalgeschützte Gebäude und ganze „Milieus“ angesichts schmaler Kassen zur Disposition zu stellen. Dies steht in krassem Gegensatz zu der in vielen Sonntagsreden hervorgehobenen wachsenden Bedeutung von Heimat und Identität in Zeiten der Globalisierung. Es widerspricht dem neu erwachten Interesse breiter Schichten an historisch geprägten Stadtkernen, das mancherorts zu einem wahren Rekonstruktionsfieber geführt hat. In einer solchen Zeit erscheinen Maßnahmen, die auf eine dritte Zerstörung des echten Altbaubestandes hinauslaufen, anachronistisch und verantwortungslos. Vor allem sind sie ein wirtschaftlicher Aberwitz sondergleichen. Soll das nicht abgeschlossene Rettungswerk der Altstädte in Ostdeutschland zugunsten der Plattenbaugebiete abgebrochen werden? In Städten wie Leipzig, wo Tausende Gründerzeithäuser vor dem Aus stehen, scheint es so. Es wäre zugleich ein Todesurteil für das mittelständische Handwerk und damit eine der wichtigsten Säulen der ostdeutschen Wirtschaft. Wenn nach dem Urteil der Unesco nicht weniger als drei deutsche Welterbestätten (Elbtal bei Dresden, Mittelrheintal, Wartburg; (der Kölner Dom scheint fürs erste dagegen gerettet zu sein) gleichzeitig akut gefährdet sind, so ist ein Punkt erreicht, der auch den stursten Verfechter einer auf den Augenblicksnutzen fixierten Politik nachdenklich stimmen sollte. Denkmale sind Volksvermögen. Sie dürfen nicht Vergsmasse werden. Quelle:„Die:Welt“ vom 10?.11.2005

Unesco Welterbeliste [[21]] Dresdner Erklärung [[22]]

Datei:UNESCO Welterbe Deutschland.docDatei:Dresdner Erklärung Denkmalpflege 2255867.pdf

Beschädigung eines historisch bedeutsamen Bodendenkmals auf dem Katschhof

Die STAWAG hat am 11. Mai 2005 auf dem Katschhof einen etwa 66 Meter langen, 1–1,6 m tiefen und ca. 1,2 m breiten Leitungsgraben ausgeschachtet. Diese Trasse stieß unter anderem an vier Stellen auf gut erhaltenes Mauerwerk aus karolingischer Zeit, das dem bereits in den Jahren 1910–14 ausgegrabenen, mit modernen Mitteln aber kaum erforschten sog. Mittelbau (oder 'Querbau') der Pfalz zugeordnet werden kann. Dieser Großbau auf einer Grundfläche von fast 450 Quadratmetern - der 'Torbau' der älteren Literatur - ist nach dem derzeitigen Forschungsstand wohl als turmartiger, repräsentativer Wohnbau nach antik-mediterranem Vorbild zu interpretieren, welcher durchaus als Wohngebäude Karls des Großen und seiner Nachfolger in Frage kommt. Da von den Fundamenten dieses bedeutenden Gebäudes der südliche Teil bereits dem Bau der Domsingschule, die nördliche Außenwand einer früheren Kanaltrasse zum Opfer fielen, hätte vor allem die verbliebene Bausubstanz im Bereich des Katschhofs genaueren Aufschluss über die bislang ungeklärte Bautechnik, Nutzung und präzise Zeitstellung des Gebäudes geben können. Wichtige Teile des Bauwerks und der daran anschließenden, nicht minder aufschlussreichen historischen Schichtbildung (Stratigraphie) wurden jedoch am 11. und 12. Mai zerstört, wobei das gesamte Erdreich der Ausschachtung (etwa 100 Kubikmeter) bereits am ersten Tag ohne vorherige Ausgrabung und sorgfältige Untersuchung auf Fundmaterial hin weggebaggert und auf eine Deponie verbracht wurde. Die vom Denkmalschutzgesetz NRW vorgesehene archäologische Betreuung der Fundstelle beschränkte sich auf eine sog. baubegleitende, anderthalbtägige Dokumentation von Seiten einer privaten und von der STAWAG beauftragten Grabungsfirma, überwiegend nach erfolgter Ausschachtung. Nach Freigabe der Baustelle von Seiten der Bonner Fachbehörde und der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Aachen wurde in privater Initiative eines fachkundigen Aachener Bürgers eine detaillierte Dokumentation und Fundbergung vor allem im Bereich des karolingischen 'Mittelbaus' durchgeführt, bei der noch zahlreiche Daten zur Bautechnik, Gestalt und Zeitstellung des Gebäudes gesichert werden konnten, u.a. mit der Möglichkeit zur archäometrischen Analyse von Teilen des Fundmaterials, z.B. nach der 14C-Methode (Altersbestimmung von organischen Bestandteilen im Mörtel).

Bild:Pfalz-Fundament-AN-19.5.200.jpg Bild:Fundamentfund-Pfalz-2005-Ges.jpg Bild:Fundament-Pfalz-2005-Detail.jpg Bild:Fundamentfund-Katchhof-Ritt.jpg

Dieser Vorgang wirft eine Reihe von Fragen auf: 1. Nach dem Verlust eines Beckens der römischen Bücheltherme beim Bau der Mayerschen Buchhandlung im Jahre 2001 wurde seitens der Verantwortlichen gelobt, künftig sorgfältiger vorzugehen. 2. Es wiederholt sich jedoch das gleiche Muster: Die Fundamente waren im Gesamtplan der Grabung von 1910-1914 genauestens festgehalten und wurden seitdem wiederholt publiziert, zuletzt im Jahre 2004 in der Monographie Ch. Kellers 'Archäologische Forschungen in Aachen' (Rheinische Ausgrabungen Bd. 55, Mainz 2004; hrsg. Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege). Man wusste mithin, dass ein Kanal an dieser Stelle die Fundstelle queren und zerstören würde. 3. Obwohl es im Vorfeld der Planung und auch nach Aufdeckung der Mauerzüge noch die Möglichkeit gegeben hätte, die Leitungstrasse um das eingetragene Bodendenkmal herumzuführen, wurde diese Möglichkeit nicht genutzt. 4. Wie konnten die zuständige archäologische Fachaufsicht (das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn) und die Untere Denkmalbehörde bei der Stadt Aachen eine Genehmigung zu einem tiefgründigen Leitungsgraben erteilen, der die wenigen verbliebenen Befunde eines für die Aachener Stadtgeschichte bedeutenden Bodendenkmals zerstören musste? 5. Das Denkmalschutzgesetz des Landes NRW hält in § 8 (1) fest, dass Baudenkmäler und ortsfeste Bodendenkmäler so zu nutzen sind, dass die Erhaltung der Substanz auf Dauer gewährleistet ist. Welche triftigen Gründe lagen vor, gegen diesen Grundsatz zu verstoßen? 6. Nach § 9 (1) des Denkmalschutzgesetzes NRW ist die Beseitigung eines ortsfesten Bodendenkmals erlaubnispflichtig. Wurde diese Abrissgenehmigung erteilt? Wenn ja, von wem - und wurde dabei (nach § 9 (3) DSchG NRW) von den dafür zuständigen Behörden beachtet, "die Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege entsprechend diesem Gesetz in angemessener Weise zu berücksichtigen"? 6. Was gedenken die Verantwortlichen zu tun, damit sich ein solcher Vorgang bei den zahlreich anstehenden Leitungs- und Kanalarbeiten der nächsten Monate und Jahre nicht wiederholt? 7. Wie kann gesichert werden, dass die bei Ausschachtungen ggf. anfallenden Informationen und Funde zu früheren Nutzungen und zur Geschichte der Stadt nicht achtlos weggebaggert und entsorgt werden?

Die Bedeutung dieser Fundstelle und weiterführende Ansätze zur Interpretation des 'Mittelbaus' der karolingischen Pfalz gehen aus jüngeren Beiträgen von Cord Meckseper (1992);(1999), Günther Binding (1997/98) und Matthias Untermann (1999) hervor. Auszüge sind unter dem Stichwort Bodendenkmal-Diskussion zu finden.

Presseberichte

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Funde aus karolingischer Zeit?

Quelle: AN-Online 14.6.06 hau Aachen. «Herzlichen Glückwunsch» begrüßte Petra Tutlies vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege am Mittwoch den Eigentümer des Grundstücks von Gut Schurzelt, auf dem aufsehenerregende Funde, wahrscheinlich aus karolingischer Zeit, gemacht worden sind. Mit der Art und Weise jedoch, wie die amtlichen Denkmalschützer auf die Scherben und Stäbchen aufmerksam gemacht wurden, waren sie ganz und gar nicht einverstanden und äußerten Kritik, vor allem an dem Restaurator und Keramikforscher Wolfram Giertz, der in der Nähe des Wildbachs fast 100 Glastäbchen höchster Qualität entdeckt hatte, dazu andere Exponate aus der ganzen Palette der Glasproduktion, von der Sandschmelze bis zu Tiegeln oder Produktionsabfällen. Die Kritik: Giertz habe sich nicht an die Spielregeln gehalten, sei etwa ohne Erlaubnis auf das Grundstück gegangen und habe nicht die erforderliche Sucherlaubnis gehabt.Doch in der Beurteilung der Glasfragmente waren sich auch die staatlich anerkannten Denkmalschützer weitgehend einig: «Bemerkenswerte Entdeckungen» seien gemacht worden, formulierte es Wilfried Jocham, Leiter der Abteilung Denkmalpflege der Stadt Aachen. Die von Giertz gefundenen Stücke hätten darauf hingedeutet, dass eine Glasmanufaktur gefunden worden sein könnte, erläuterte Grabungsleiterin Petra Tutlies weiter.Auch Aachens gerade eingestellter Stadtarchäologe Andreas Schaub zweifelte nicht an der antiquarischen Bedeutung der Fundstücke: «Aber wir wissen nicht, wo sie herkommen.» Wunderbar wäre es jedoch, wenn sie in den Besitz der Stadt kämen und irgendwann ausgestellt werden könnten. Und wenn man herausfinden könnte, ob sie nicht doch aus der näheren Umgebung stammen - ausschließen können das nämlich auch die Fachleute vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege keineswegs. Sicherlich sei davon auszugehen, dass es im Umfeld der Pfalz Karls des Großen hochwertiges Handwerk gegeben habe, meinte Schaub weiter.

Aachen will archäologisches Konzept erstellen

Aachen.- Die Stadt Aachen will ein archäologisches Konzept erstellen. Dazu soll ein Archäologe eingestellt werden. Das teilten Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden und Baudezernentin Gisela Nacken auf einer Pressekonferenz am 16. August mit. Außerdem wolle man - so Linden - einen archäologischen Beirat ähnlich dem Architektenbeirat ins Leben rufen und die bereits laufenden archäologischen Bestandserhebungen in der Aachener Innenstadt intensivieren. Bis zum Jahre 2010 soll die Erhebung innerhalb des Grabenringes abgeschlossen sein.

Weiterhin sollen die Genehmigungsverfahren für innerstädtische Grabungen überarbeitet und transparent gemacht werden. Innerhalb des archäologischen Konzeptes soll es auch ein Konzept dafür geben, wie die markantesten Funde sichtbar gemacht werden können, etwa durch Glasscheiben, Markierungen im Pflaster oder durch Erläuterungstafeln. Grabungsergebnisse zwischen Dom und Rathaus sollen bei den Planungen für das Bauhaus Europa berücksichtigt werden. Die Stadt Aachen will schließlich auch eine öffentliche Diskussionsreihe zum Thema Archäologie in Aachen initiieren.

"Wir haben"; sagte der Oberbürgermeister, "in unserer Stadt ein großes historisches Erbe, gegenüber diesem haben wir eine ebenso große Verantwortung". Linden wies darauf hin, dass man zwar schon viele Grabungen hinter sich habe, vieles aber noch anstehe und zwar in innerstädtischen Bereichen, für die es bisher keine Bestandserhebungen oder Erkenntnisse gebe. "Wir wollen deshalb unsere Sorgfalt noch einmal erhöhen".

Herausgegeben am 17.08.2005 von:

Stadt Aachen Presse- und Informationsbüro

Kritische Stellungnahme zur Aachener "archeologischen Sorgfalt"

Quelle: http://www.varnenum.de/aktuelles.htm Bild:Bodenfunde.pdf

Weitere Berichte unter dem Link

Schritte zu einem Bodenkataster

Kommentar: Die Stadt hat somit ihren Willen bekundet, mit dem historischen Boden sorgfältiger umzugehen und dazu als ein wichtiges Instrument die öffentlichen Räume (Strassen, Plätze, Flächen im Besitz der Stadt)unter Bodendenkmalschutz zu stellen. Wenn die Stadt diese Absicht nun auch bald in neues Recht umsetzt,hat sie einen wichtigen Schritt getan, die weiter oben genannten Kritikpunkte auszuräumen. Wir werden die Stadt daran zu messen haben, wie ernst ihr dieses Anliegen tatsächlich ist. Vorerst hat die Debatte somit ein erstes positives Ergebnis gebracht. Erst wenn die Stadt den Boden unter ihren eigenen Flächen ernsthaft schützt, kann sie auch den Anspruch erheben,von privaten Grundbesitzern einen sorgfältigeren Umgang mit Bodenfunden und den damit notwendigerweise einhergehenden Einschränkungen zu fordern.

Fundamentfund der äußeren Stadtmauer an der Saarstrasse (Nähe Ponttor)

Bei der Ausschachtung eines Leitungsgrabens in der Saarstrasse im Juli 2005 kamen Fundamente der äußeren Stadtmauer zum Vorschein. Baudezernentin Giesela Nacken rief am 14.7.05 zu einer Besprechung vor Ort zusammen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Die Fundamente sollen durch eine geringfügige Verlegung des Leitungsgrabens geschont werden. An einigen Stellen ist eine Querung jedoch notwendig. Die Bilder zeigen die Fundamente, die dort, wo früher Tore oder Türme standen, sich aus der Trasse heraus nach außen fortsetzen. Je ein solches Turmfundament fand sich etwa gegenüber den Einmündungen von Wittekind- und Bergstrasse. Das letzte Bild in der Liste (Rhoen) zeigt die gesamte äußere Stadtmauer mit allen Türmen und Toren. Vergleicht man dieses Bild mit den Funden, kann z.B. die Ecke eingeordnet werden, an der die Mauer zum Ponttor einen Knick hatte (Bild 12 und 13). Man fragt sich jedoch, warum die Stawag ausgerechnet diese Trasse grub, wo doch auf ihren eigenen Karten des Trassenverlaufs die Stadtmauer eingezeichnet war. Stadtmauerfundamente Saarstrasse

Weitere Informationen unter: Stadtgeschichte Aachen:Portal


Fundamentfund Jakobstrasse Ecke Klappergasse

Bie Ausschachtungsarbeiten der STAWAG wurde im Herbst 2005 dieses Fundament entdeckt. Die zeitliche und sachlicche Zuordnung steht noch aus. Der Fund soll später durch eine Glasscheibe sichtbar bleiben.

Bild:Fundamentfund-Klappergasse-.jpg

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Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen